Was ist Akupunktur?

Die Akupunktur ist ebenfalls ein Teilgebiet der traditionellen Chinesischen Medizin. Aber was ist Akupunktur? Die erste schriftliche Erwähnung der Akupunktur und Moxibustation stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Chr. Sima Qian, ein chinesischer Historiker, erwähnte erstmals Steinnadeln. Jedoch enthalten Grabfunde Indizien wie Bambussplitter oder Fischgräten, die bereits vor circa 5000 Jahren verwendet worden sein könnten.

Die medizinische Schrift „Innere Klassiker des Gelben Kaisers“ beschreibt eine integrierte Aku-Moxi-Therapie, in der unterschiedliche Metallnadeln, Sticktechniken sowie Indikationen für die Anwendung bestimmter Punkte verwendet wurden.
Hier wurden bereits 160 Punkte entlang der wichtigsten Leitbahnen näher beschrieben.

Der „Systematische Aku-Moxi-Klassiker“ (Zhenjiu jiayjing) von Huang Fumi ist das erste eindeutig datierbare Werk.
Hier werden 349 Akupunkturpunkte und deren Wirkungsweisen beschrieben. Andere Werke sind „die Erläuterungen der 14 Hauptleitbahnen“ von Hua Boren, „Die Untersuchungen über die acht unpaarigen Leitbahnen“ von Li Shizhen, sowie „Summe der Aku-Moxi-Therapie“ von Yang Jizhon.

1675 erwähnt der Holländer De Bondt in W. Pisos Werk
„De utriusque Indiae“ Beobachtungen über das Stechen mit Nadeln zu therapeutischen Zwecken. Im 17. Jahrhundert wurde der Begriff Akupunktur von Pekinger Jesuitenmönchen geprägt.
Er setzte sich zusammen aus den Wörtern acus (=Nadel) und punctura (=Stich) und bedeutet wörtlich übersetzt „Therapie mit Nadeln“.

Dr. Willem Ten Rhyne, ein Arzt der ostindischen Handelskompanie, verfasste 1683 einen detaillierten Bericht über die klinischen Wirkungen der Nadelstichtherapie und erwähnte auch hier erstmals den Begriff Akupunktur. Die deutsche Übersetzung des Werkes „A Treatise on Acupuncturation“ des Engländers James M. Churchill ist die erst bekannte deutschsprachige Veröffentlichung über Akupunktur.

Erst gegen Ende des zweiten Jahrtausends wurde die traditionelle Chinesische Medizin und somit die Akupunktur im westlichen Teil der Erde populärer.

Die chinesische Übersetzung für Akupunktur besteht aus zwei Teilworten. Diese beschreiben gleichzeitig die Hauptanwendungen der Akupunktur.

  1. Einstechen der Nadeln in die Akupunkturpunkte
  2. Erwärmen (Moxibustion) der Punkte

Auf den Meridianen sind 361 Akupunkturpunkte angeordnet. Insgesamt gibt es 12 Hauptmeridiane, die spiegelverkehrt auf beiden Körperseiten paarweise angelegt sind, dazu acht Extrameridiane und eine Reihe von Extrapunkten. Anhänger der TCM sind der Meinung, dass durch das Einstechen der Nadeln der Fluss des Qi beeinfluss wird. Daher gehört die Akupunktur zu den Umsteuerungs- und Regulationstherapien.

Wie läuft eine Akupunktursitzung ab?

Bei einer Akupunktursitzung, die ca. 20 bis 30 Minuten dauert, sitzt oder liegt der Patient bequem, um sich entspannen zu können.
Die Stelle, in die eine Nadel gestochen wird, wird vorher leicht massiert. Maximal 16 Nadeln werden während einer Sitzung gestochen – hier gilt: weniger ist mehr. Nach der Sitzung sollte der Patient auch noch einige Minuten in dieser entspannten Haltung verharren.
Eine komplette Therapie umfasst zehn bis 15 solcher Sitzungen.

Ein Teil der wissenschaftlichen Medizin sieht es als Aufgabe der Forschung, die Theorie der Meridiane und Akupunkturpunkte wissenschaftlich zu belegen. Ein anderer Teil hält diese Theorie für abwegig und sieht keinen Bedarf für eingehendere Forschungen. Zumal bisherige Untersuchungen keinen Unterscheid zwischen dem Stechen in Akupunkturpunkte und dem Stechen in beliebige Punkte (sog. Scheinakupunktur) finden konnte.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass das Stechen mit Nadeln wirksam gegen Schmerzen ist. Verantwortlich hierfür sei jedoch ein ausgeprägter Placeboeffekt.
Dies erkläre sich daraus, dass sich während der Behandlung jemand intensiv mit dem Patienten beschäftigt und die Suggestion und Autosuggestion als Wirkprinzip ausgenutzt wird.
Dieses Ergebnis hat zu einer verstärkten Diskussion darüber geführt, wie diese Erkenntnisse der wissenschaftliche Medizin dienlich sein können.

Schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs, Multiple Sklerose oder Schlaganfall sollten nicht mit Akupunktur behandelt werden. Die Wirkung der Akupunktur könnte die Krankheit verschlimmern, so würde beispielweise bei Krebserkrankungen die Zellen zur Vermehrung angeregt. Die wissenschaftliche Medizin wiederum hält die Zellvermehrung für umstritten.

Die „German acupuncture trails“ startete 2002 die größte weltweite Untersuchung. Es galt zu belegen, ob Akupunktur Patienten wirklich helfen kann, denn trotz der Verbreitung und Akzeptanz der Akupunktur bei Patienten sind kontrollierte Studien eher selten und zeigen sehr widersprüchliche Ergebnisse. Wissenschaftler konnten die eindeutige Wirksamkeit einer Akupunkturbehandlung bei den untersuchten Krankheitsbildern nicht nachweisen.

2005 wurden die Ergebnisse dieser Studie zu den Krankheiten Migräne und Spannungskopfschmerz präsentiert. Prof. Dr. Hans-Christoph Diener der Universitätsklinik Essen stellte fest, dass die Akupunktur bei chronischen Kopfschmerzen eine effektive Ergänzung des therapeutischen Konzepts darstellt.
Jedoch ist die Scheinakupunktur fast genauso wirksam wie eine Akupunktur nach den Regeln der TCM. Somit war aber eine Akupunkturbehandlung im Rahmen von schmerztherapeutischen Behandlungen gerechtfertig.

Da jedoch irgendeine Akupunkturbehandlung erfolgreicher war als eine Therapie ohne Nadelstiche, schloss man daraus, dass die Reizung der Haut mit Nadeln eine schmerzlindernden Effekt hervorruft.

Unter Führung der Techniker Krankenkasse wird bis Oktober 2008 die Studie „Modellvorhaben Akupunktur“ durchgeführt.
Ziel ist die Überprüfung, ob eine Aufnahme der Akupunkturtherapie in den Leistungskatalog sinnvoll ist.
Das Projekt wird vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité wissenschaftlich unterstützt. Es beinhaltet folgende Studien:

Die Ergebnisse der Studien hat die Techniker Krankenkasse im April 2005 in einer Pressemitteilung mit dem Titel “Akupunktur erhöht die Lebensqualität und ist wirtschaftlich” veröffentlicht.
„Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Behandlung dauerhaft bei vielen Volkskrankheiten wie Allergien und Rückenschmerzen hilft“ so der Leiter der TK Niedersachsen.

Seit dem 18. April 2006 ist die Akupunktur im Falle von chronischen Rücken- und Knieschmerzen im Rahmen einer Schmerztherapie als Kassenleistung anerkannt. Die Behandlung von Kopfschmerzen gehört jedoch nicht zur Kassenleistung, da herkömmliche Behandlungsmethoden ebenso effizient wie die Akupunktur sind. Es dürfen jedoch nur die Ärzte die Akupunktur über die Krankenkasse abrechnen, die ein sog. Akupunkturdiplom besitzen und
zwei 80-stündige Ausbildungen zum Thema Psychosomatik und Schmerztherapie absolviert haben.

In der Schweiz wird die Akupunktur als einzige alternative-medizinische Leistung von der Grundversicherung abgedeckt.

Haupteinsatzgebiet für Akupunktur sind chronische Schmerzen, wenn kein orphologischer Befund (z.B. Tumor) vorliegt. Erfolgsversprechende Einsatzgebiete sind neben der Linderung von Beschwerden wie Heuschnupfen auch Anwendungen in der Geburtsvorbereitung, bei Schwangerschaftsbeschwerden und Regelbeschwerden.

Ferner wird Akupunktur bei kleineren Eingriffen angewendet. Beispiele hierfür sind:

Das Consensus Panel des National Institutes of Health weist auf eine erfolgreiche Wirksamkeit in folgenden Bereichen hin:

Bei sachgemäßer Handhabung treten in der Regel kaum Nebenwirkungen auf. Möglich ist jedoch

Bei folgenden Personengruppen wird von einer Akupunkturbehandlung abgeraten:

Glauben betroffene Menschen nicht an die Wirkung von Akupunktur, wird ihnen ebenfalls diese Therapieform nicht empfohlen, da die gewünschten Effekte nicht auftreten werden.