Chinesische Diätetik

In China hat die Beschäftigung mit der Ernährung im Zusammenhang mit der Medizin eine lange Tradition. Seit frühester Zeit war man sich deutlich bewusst, das Nahrungsmittel bestimmte Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben und wie wichtig daher eine ausgewogene Ernähung für das allgemeine Wohlbefinden ist.
Nahrungsmittel sind nach Ansicht der TCM milde Therapeutika.

Auch Nahrungsmittel haben eine Qi-Kraft, die auf das Qi im menschlichen Körper korrigierend einwirken.

Die chinesische Ernährungslehre teilt alle Nahrungsmittel in drei Kategorien ein:

Das Temperaturverhalten bezeichnet die Entwicklung des Nahrungsmittels während des Verdauungsprozesses und nicht die Temperatur beim Verzehr. Das Temperaturverhalten gibt Informationen über die energetische Dynamik eines Lebensmittels und zeigt an, ob ein Lebensmittel das Qi stark oder leicht bewegt.
Hierbei werden die Temperaturen heiß, warm, neutral, kühl und kalt unterschieden. Des weiteren werden die Geschmacksrichtungen nach scharf, süß, sauer, salzig und bitter unterschieden. Die jeweiligen Geschmacksrichtungen stehen mit spezifischen Wirkungen bzw. Wirkorten im engen Zusammenhang.
Süßer Geschmack wirkt vor allem auf den Funktionskreis der Milz während salziger Geschmack auf den der Nieren wirkt.
Die Art der Zubereitung verändert die Eigenschaften der Nahrungsmittel. Der Wirkort gibt Aufschluss darüber, in welcher Leitbahn das Lebensmittel seine volle Wirkung entfaltet.

Wichtige Bausteine der chinesischen Medizin sind die Aussagen über die Wirkrichtung eines jeden Nahrungsmittels.
Sie ermöglichen eine genaue Abstimmung mit anderen Therapieverfahren. Die Betrachtungsweise eines Nahrungsmittels ist für die westliche Welt ein neues Verfahren, da hier die Gesichtspunkte eher quantitativ betrachtet werden.
Für eine gezielte und erfolgreiche Behandlung ist jedoch das Wissen um die genauen energetischen Wirkungen unabdingbar.

Wichtiger ist jedoch die Kombination der Nahrungsmittel bei der Zubereitung von Mahlzeiten. Ferner wird bei der chinesischen Ernährungslehre auf die Zeit der Nahrungsaufnahme geachtet, die mit der maximalen Funktionsfähigkeit bestimmter Organe verbunden wird. Wichtig ist außerdem die ausreichende Ruhe bei der Einnahme der Mahlzeiten.
Übermäßige Einnahme von Nahrungsmitteln, die eine bestimmte Wirkrichtung haben, führt außerdem auf lange Sicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

In der Chinesischen Diätetik werden die Eigenschaften der Nahrungsmittel in Bezug zum Menschen gesetzt, um bestimmen zu können, welche Nahrungsmittel für den Einzelnen förderlich sind und welche ihm eher schaden.
Allen Lebensmitteln werden Yin- und Yang-fördernde Qualitäten zugeordnet, welche zu den Yin-und-Yang-Lebenskräften des Menschen in Beziehung gesetzt werden.
So können unterschiedliche Empfehlungen für die Auswahl und Zubereitung der Mahlzeiten ausgesprochen werden.

Die Diätetik steht auf zwei Säulen:

  1. Die Milz besitzt eine Umwandlungskraft, die gefördert werden muss. Diese Förderung wird durch warme und stärkende, meist süßer Nahrungsmittel erreicht.
    Viele Getreidearten erfüllen diese Eigenschaft, ausgenommen hiervon jedoch ist der Weizen, da er durch seine Nahrhaftigkeit schwer verdaulich ist.
    Empfohlen werden eher Hirse, Hafer, Reis und Mais.
    Auch Gemüse wie Karotten, Kartoffeln, Lauch und Zwiebeln sind sehr förderlich.
  1. Nahrungsmittel, die harntreibende Eigenschaften haben, süß sind und einen Bezug zur Milz aufweisen.
    Hierzu gehören Hülsenfrüchte und ganz besonders die Sojabohne.

Die volle Wirkung kann die chinesische Diätetik jedoch nur dann entfalten, wenn sie ganz in das Behandlungsverfahren der chinesischen Medizin integriert wird.